Graubünden - Baukultur

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Spätgotik
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Alte kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist*

| 7013 Domat/Ems
Hochgelegene spätgotische Baugruppe mit dominierendem Turm; bemerkenswerte Ausstattung. Ursprünglich befestigte Kirchenanlage erwähnt 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts, aus dieser Zeit der ursprünglich Wehrzwecken dienende mächtige Turm; 1982 archäologischer Nachweis von Fundamenten eines weiteren Turms unbestimmter Zeitstellung neben dem Beinhaus; Neubau des Chors 1504, des Schiffs 1515; Vorhalle 1703; Renovation innen 1946–47, aussen 1960.

Offene Vorhalle mit unregelmässig gerundeter Westfront, wohl über den Fundamenten des ehemaligen Berings; an deren westlichen Aussenwand barocke Kreuzigungsgruppe anfangs 18. Jahrhundert. Romanischer Westturm mit 2 m starken Mauern und Schiessscharten, die Zwillingsöffnungen im Glockengeschoss wohl 1695. Spitzhelm über Wimpergen und tonnengewölbter Durchgang zum Schiff vermutlich spätgotisch. Im Schiff zweijochiges Rautengewölbe, unbekanntes Steinmetzzeichen an der Gewölbekonsole der Südwestecke. Im erhöhten Polygonalchor Rautengewölbe; im kryptaartigen UG Sakristei, Zugang vom Schiff über Mitteltreppe. Wandmalereien nach 1515: Dekorationsmalerei im Chorgewölbe, Wappen der Herren von Marmels (bis 1553 auf Schloss Rhäzüns) in der Chorbbogenleibung und Reste eines Passionszyklus an der nördlichen Schiffswand. Wandgemälde 1689 vielleicht von Fridolin Eggert: heiliger Johannes Evangelist bei der Kanzel und zwei Engel über dem Chorbogen.

Ausstattung: Spätgotischer Flügelaltar datiert 1504 aus der Bildhauerwerkstatt Niklaus Weckmann und der Malerwerkstatt Hans Huber, neuer Unterbau und Restaurierung 1947: im Schrein heiliger Johannes der Täufer, begleitet von den heiligen Katharina und Florinus, Ulrich und Dorothea; auf den Flügelreliefs Taufe Christi und Enthauptung des Täufers; auf den bemalten Rückseiten Jüngstes Gericht, Gethsemane sowie die heiligen Luzius und Emerita; im Gesprenge die heiligen Anna selbdritt, Petrus und Franziskus. Chorgestühl um 1670, auf dem Gesimse rechts Figur des heiligen Johannes der Täufer Anfang 14. Jahrhundert (restauriert 1980–81), links Vespergruppe Anfang 15. Jahrhundert, aus einem Bildstock im Dorf. Barocke Seitenaltäre 1686–87; im nördlichen Altar Muttergottesstatue um 1504 aus der Werkstatt Niklaus Weckmann (Krone barocke Zutat), in der Sockelnische des südlichen Altars Grabchristus um 1515. An der Nordwand spätgotische Figurenreliefs um 1515: Mutter Anna, Maria unterrichtend, Magdalena, Barbara, ein Bischof und ein Abt; an der Südwand ehemalige Chorbogengruppe, 1674 von Ignazius und Johannes Bin. Spätgotisches Chorbogenkruzifix. Polygonalkanzel 1676. Orgel 1981.

Marienkapelle, im Chorscheitel der Pfarrkirche; restauriert um 1992. Chörlein um 1700, Schiff mit dreiseitig vorgezogener Westfront 1782. Im Altar Pietà 2. Hälfte 17. Jahrhundert. An Chorbogenwand Gnadenbild der thronenden Muttergottes 2. Hälfte 14. Jahrhundert und Tafelbild Joseph mit Christusknabe 18./19. Jahrhundert. Votivbilder 19. Jahrhundert.

Nördl. davon Beinhaus. Erbaut 1693; renoviert 1948. An der Front Reste einer Wandmalerei des Jüngsten Gerichts um 1693 von Fridolin Eggert, restauriert 1974–75. Im Inneren hervorragende frühgotische Heiliggrabgruppe* Ende 13. Jahrhundert mit Christus und zwei klagenden Frauen; heiliger Michael 2. Hälfte 17. Jahrhundert. Fragment eines gotischen Taufsteins.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)