Graubünden - Baukultur

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Karolingischer Kirchenbau
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Benediktinerinnenkloster St. Johannes Baptist*

| 7537 Müstair
Turmbewehrte Baugruppe aus zwölf Jahrhunderten; bedeutendster Kirchenbau vor der Jahrtausendwende in der Schweiz, mit einzigartigen Wandgemälden aus karolingischer Zeit und bemerkenswerter Ausstattung.

Seit 1983 Unesco-Welterbe. Archäologische Untersuchungen und Restaurierung seit 1969. Ursprünglich Männerkonvent des Benediktinerordens; die örtliche Überlieferung, wonach das Kloster von Karl dem Grossen um 774 bzw. 801 gegründet worden sei, wird durch die neusten Forschungen bestätigt (Dendrodatum um 775). Müstair ist demnach das einzige Bündner Kloster, das auf eine kaiserliche Stiftung zurückgeht. Es war wohl von Beginn weg auch Nebenresidenz des Churer Bischofs zur Verwaltung der ennetbirgischen Besitzungen im Vinschgau; Verlegung der Pfalz in den nahen Vinschgau im 13. Jahrhundert; erst im 17. Jahrhundert werden erneut Räume für den Bischof eingerichtet. Das Kloster erwähnt 1. Viertel 9. Jahrhundert unter dem Namen monasterum Tuberis, also nach dem Ortsnamen des benachbarten südtirolischen Grenzdorfes Taufers. Ab 806 direkt der fränkischen Staatsmacht unterstellt. Karl III., genannt der Dicke, überlässt das Kloster 881 dem Bischof von Chur gegen churisches Besitztum im Elsass. Durch den Churer Bischof Konrad I von Biberegg (1123–45) und die Herren von Tarasp wird das Kloster neu als Nonnenkonvent wiederbelebt; das Frauenkloster reformiert 1157 durch Bischof Adelgott. Im 13. Jahrhundert erneuter Aufschwung in Zusammenhang mit einem Hostienwunder (Heiligblutreliquie), Krisenzeiten während der Reformation und zur Zeit des Franzoseneinfalls 1799; seit 1810 nur noch Priorat.

Die am Ostende des Dorfes gelegene Baugruppe ist im Wesentlichen in acht Bauphasen vom 8.–20. Jahrhundert entstanden. Sie besteht aus zwei vor der Westfront der Kirche nebeneinander liegenden Klosterhöfen, um die sich Konventbauten gruppieren, sowie einem westllichen Wirtschaftshof, der trapezförmig von Mauern, zwei Tortürmen und Ökonomiegebäuden umschlossen wird. Ein weiterer Turm, der ottonische Plantaturm, schliesst sich nördllich an die Kirche an, südlich der Kirche steht die Heiligkreuzkapelle.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)

Die einzelnen Gebäude der Klosteranlage sind separat beschrieben.

Literatur
Das Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair, Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 733/ 734, Bern 2003.