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Barockkirchen
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Katholische Pfarrkirche Mariä Geburt

| 7473 Alvaneu
Die erhöht gelegene Barockkirche mit vorzüglicher Ausstattung bildet mit dem etwa gleichzeitigen Pfarrhaus eine geschlossene Baugruppe. Erwähnt 1290, urspr. St. Mauritius geweiht; vom spätgot. Neubau von 1495 an der Stelle des Kirchenvorplatzes der Turm erhalten sowie – in der Terrassenmauer – Reste der S-Mauer von Chor und Schiff (gesichert 1996); rechtwinklig dazu heutige Kirche von 1697, spitzer Turmhelm mit Wimpergen 1698; Rest. aussen 1977–79. Nach N gerichtete Anlage, deren erstes Langhausjoch von Turm und polygonaler Taufkapelle, die beiden folgenden von gerade geschlossenen Seitenkapellen begleitet sind; Polygonalchor zwischen Sakristeien, im UG der westl. das Beinhaus. Zweigeschossige Giebelfassade mit Säulenportal und Emporenfenster in der Mittel-, Bildnischen in den Nebenachsen.

Im Inneren gute Stuckaturen, vorwiegend in den Kapellen, und bunte handwerkliche Wandmalereien aus der Bauzeit. Der Hochaltar bewahrt in guter barocker Säulenrahmung (um 1697) das hervorragende Schnitzwerk eines spätgot. Flügelaltars, um 1500–10, wohl aus der Werkstatt Niklaus Weckmanns: unten der ehem. Schrein mit Marienstatue zwischen den hll. Mauritius und Magdalena, Ursula und Johannes d. T.; oben die Innenseiten der ehem. Flügel mit Reliefs Anbetung der Könige und Marienkrönung; an der Rahmung verteilt die Halbfiguren der Apostel aus der Predella; in der Bekrönung eine Kreuzigungsgruppe; an der Rückseite spätgot. Gemälde von Hans Huber: Verkündigung, Weihnacht und Jüngstes Gericht.

Prachtvoller Tabernakel um 1697, in Form eines zweigeschossigen Kuppeltempels mit Freisäulen und Figurennischen. Altarumgang durch reichgeschnitzte Türen um 1725 geschlossen. In den Kapellen vier schöne Seitenaltäre mit verschiedenartigem Aufbau von 1728–34 mit guten Figuren, darunter ein Grabchristus 16. Jh. (?); an den Antependien und an einem Rahmen hervorragend geschnitztes Akanthuswerk. An den Chorwänden Ölgemälde in stuckierten Rahmen dat. 1700; bemaltes Chorgestühl E. 17. Jh. Gebauchter Kanzelkorb mit Voluten 1630, verändert 1845, Schalldeckel 1633. Kreuzwegstationen 18. Jh. Weihwasserbecken aus schwarzem Marmor 1696. Empore 1749/50, an der geschweiften Brüstung ländliche Malereien, rest. 1985; auf der Orgel von 1985 drei Figuren des urspr. Prospektes von 1750.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)