Graubünden - Baukultur

Logo Kantonsbibliothek Graubünden Kantonsbibliothek Graubünden
Biblioteca chantunala dal Grischun
Bliblioteca cantonale dei Grigioni
Spätgotik
zurück zur Liste

Pfarr- und Klosterkirche

| 7408 Cazis
Teil des Frauenklosters St. Peter und Paul: Angeblich um 700 von einem Churer Bischof Victor gegründet, erwähnt 940. Ursprüngl. freiweltliches Kanonissenstift, seit 1156 der Regel des hl. Augustinus unterstellt, seit 1647 von Dominikanerinnen geführt.

Die Pfarr- und Klosterkirche ist nach St. Martin in Chur die grösste spätgot. Kirche Graubündens, neu erb. von Andreas Bühler zw. 1491 und 1504 unter Einbezug der Umfassungsmauern der roman. Vorgängerkirche. Der Brand von 1768 zerstörte das ganze Kloster und brachte das Schiffsgewölbe der Kirche zum Einsturz, Neuweihe 1772; Renov. 1827 und 1939–40; Rest. 1977–83. Turm neu erb. 1871, gleichzeitig neugot. Sakristei nördl. des Chors.

Über dem W-Portal Dedikationsgemälde dat. 1504: Petrus im päpstlichen Ornat, daneben Paulus und kniend die Bauherrin Äbtissin Margareta v. Raitnau (1456–1508), mit dem gevierteten Wappen des Klosters (Andreaskreuz) und Reitnau (Kugel); stark übermalt 1933. Schiff mit barocken Kreuzgewölben auf Vorlagen, welche wahrscheinlich die Dienste des ehem. Netzrippengewölbes maskieren; Gewölbemalerei 1827 von Wilhelm Maria Rizzi. Im W-Joch gemauerte Empore auf dreiteiliger Arkadenstellung und Kreuzgewölben, früher als Nonnenchor benützt. Hinter dem wohl nachträglich erweiterten Chorbogen langgestreckter, dreiseitig geschlossener Chor mit Sterngewölbe auf Vorlagen und Runddiensten.

Über der einfachen Sakramentsnische ein Wandgemälde um 1504, als spätgot. Altaraufsatz konzipiert: Abendmahl mit Wappen Reitnau und Mannalese als typologische Bilder zur Eucharistie, im Gesprenge Ecce homo; gleichzeitig das Gemälde in drei Streifen an der S-Wand: unten Petronella, legendäre Tochter des hl. Petrus, und die Kirchenväter; darüber die hll. Petrus und Paulus, vor ihnen die Klostergründer, Bischof Victor und Bischof Paschalis von Chur mit Victors Mutter Episcopina und die kniende Bauherrin; im obersten Streifen Martyrium der Apostelfürsten. Stuckmarmoraltäre und -kanzel um 1770. In der Wand hinter dem Choraltar Nische mit den Gebeinen des legendären Lokalmärtyrers Victor aus Tomils, welche 1496 nach Cazis übergeführt worden sind. Orgel 1984.

(Kunstführer durch die Schweiz, Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Band 2, Bern 2005)